Teil eines Werkes 
3. Th., 1. Bdchn (1829)
Entstehung
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Bedarf des Serails erfordert; aller uͤbrige wird durch

die franzoͤſiſchen Seefahrer aus Amerika geliefert, da⸗ her er einen bedeutenden Handels⸗ Artikel ausmacht. Auf großen Straßen wird er alle 50 Schritte unter dem Schatten eines Baumes oder Zeltes verkauft, wo die reiſenden Tuͤrken oder Luſtwandler verweilen. Swar ſind die Becher ſo klein, als in Europa die Naͤpfe fuͤr Eier; allein da Jedermann, er mag reiſen, Beſuche machen, oder zu Hauſe bleiben, taͤglich 24 Becher ausleert, ſo kommt doch eine bedeutends Quantitaͤt zuſammen.

Zuweilen kommen die beſten teutſchen Tonkuͤnſtler aus Wien nach Konſtantinopel zum Vergnuͤgen der Geſandten. Waͤhrend dieſelben Abends die ſchoͤnſten Symphonien aus Italien oder Teutſchland auffuͤhren, draͤngen ſich die Griechen zu Waſfer und zu Land in die Naͤhe, um dieſen Ohren⸗Schmaus zu theilen. Sie haben in ihren Nachen Hewahen 95 eine Leier, eine Biolin, und 1 2 Guitarren, welche ſie unabhaͤngig von einander ſpielen, und wozu ſie ſo jaͤmmerlich ſin⸗ gen, daß man nichts Widrigeres hoͤren kann. Sie verweilen manchmal unter den Fenſtern, um die Toͤne der Klarinette abzulauſchen. Allein kaum haben ſie einige Augenblicke gehorcht, ſo ſchuͤtteln ſie die Koͤpfe, wiederholen ihr ſchreckliches Gehenl, und rudern mit Anſtrengung weiter, um ſich von den Toͤnen zu ent⸗ fernen, welche ſie viel ſchlechter finden, als die ihri⸗ gen. Wenn die Dienerſchaft der Geſandten ſie manch⸗ mal fragt, ob die Muſik ihrer Ferfen thnen gefalle, ſo erwiedern ſie einſtimmig, daß ſie ihrem Gehoͤre ſehr zuwider ſey. Dieſe Erſcheinung kann die Ideen man⸗ ches Den kers uͤber die Harmonie der Toͤne verwirren: denn dieſe ſollte fuͤr jedes gefuͤhlvolle Ohr gleich ſeyn, ſelbſt wenn man weder die Grundſaͤtze der Zuſammen⸗ ſetzung, noch eine Note der Muſik kennte.