107
Eine angenehme Unterhaltung gewaͤhrt die Anſicht der tuͤrkiſchen Schiffs⸗Kaͤhne, welche ſchnell ſegeln, und der Stroͤmung vergebens zu entgehen ſuchen, wenn der Suͤd⸗Wind blaͤst. Ste muͤſſen dann die Segel einziehen, und durch das Nudern ſich helfen, oder ankern, bis ſie durch guͤnſtigeren Wind, oder neue Anſtrengung ihren Weg fortſetzen konnen.
Im Belgrader Haine ſind die Eichen aͤußerſt ehr⸗ wuͤrdig: man iſt ſo vorurtheilsvoll, daß man nie eine faͤllt, daher der groͤßte Theil ausgeht. Die hollaͤndi⸗ ſchen und engliſchen Geſandten beſitzen dafelbſt Land⸗ haͤuſer. Gegen das Ende des Sommers ſind dieſe verlaſſen, weil ein See im Haine ſich befindet, deſſen ſchaͤdliche Ausdunſtung den meiſten benachbarten Be⸗ wohnern ſchreckliche Fieber zuzieht. Am Ende deſſel⸗ ben hat der Sultan ein artiges Garten⸗Haus.
„Das Fruͤhlings⸗Feſt Ramazan wird von den Tuͤrken ſehr feierlich und ſtrenge begangen. Vom Aufgange bis zum Niedergange der Sonne nimmt
auch bei der haͤrteſten Arbeit kein Tuͤrke eine Nah⸗ rung, nicht einmal einen Tropfen Waſſers zu ſich. Erſt Abends ſind alle Speiſe⸗Buden und Kaffee⸗Haͤu⸗ ſer offen, und durch Lampen erleuchtet. Gegen den Untergang der Sonne hat man eine ſehr ſchoͤne Aus⸗ ſicht, wenn man die Laͤnge des Kanales beſchiffet. Terrapia, Bujukdere und alle andere Ver⸗ ſammlungs⸗Orte gleichen eben ſo vielen engliſchen Vauxrhalls: naͤhert man ſich mit dem Kahne dem Ufer, ſo ſcheint es, als ſpeißten alle in Geſellſchaft. Die gebackenen Fiſche, die Haͤmmel und andere tuͤrkiſche Gerichte verhreiten einen ſehr ſtarken Geruch. Ob⸗ ſchon die Tuͤrken den beſten Kaffee zubereiten ſollten, ſo iſt er doch von keinem Europaer zu trinken. Denn ſie bereiten ihn ſehr ſchwach, laſſen den Satz darin, und miſchen keinen Zucker bei. Vom Mokka⸗Kaffee kommt nicht ſoviel nach Konſtantinopel, als der


