Teil eines Werkes 
3. Th., 1. Bdchn (1829)
Entstehung
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Saales, durch deſſen gewoͤlbtes Dom das Licht ein⸗ faͤllt, findet man mehr als so, welche theils mit dem Entkleiden, theils mit dem Anziehen beſchaͤftigt, auf den Baͤnken in Niſchen herum ſitzen, wie die Schneider. Einige haben ihre Haare ganz eingenaͤßt, andere kaͤmmen oder flechten ſie. Einige haben ihre Toilette halb, andere faſt ganz vollendet, indem ſie noch mit einer goldenen Stecknadel ſchwarze Farbe auf ihre Augenlieder befeſtigen. Man findet hier die Griechinnen und Duͤrkinnen in ihrem urſpruͤnglichen und unverſtellten Zuſtande; im Hintergrunde des Saa⸗ les glaubt man die Eva im irdiſchen Paradieſe zu ſe⸗ ben. Im Augenblicke, als ſie aus dem Bade ſteigen, ſcheint ihr Fleiſch wie geſotten. Die Frauenzimmer zaͤhlen dieſe Baͤder zu den hoͤchſten Vergnuͤgen; zum Bade und zur Toilette verwenden ſie gewoͤhnlich fuͤnf Stunden. So dick und fett ſie ſind, ſo haben ſie doch eine große Fertigkeit, ſich nett und buhleriſch zu

kleiden. Sehr ſelten hat eines eine ſchoͤne Haut. Ihre Taͤnze ſind freilich nicht mehr ſo anziehend, wie die alten Griechen ſie beſchrieben. Selbſt der be⸗ liebte Tanz der Ariadne, welchen ſie durch Panto⸗ minen nachahmen, iſt nur eine gemeine Vorſtellung ihrer Verzweiflung, als ſie ſich vom treuloſen The⸗ ſeus verlaſſen ſah. Die beſte Taͤnzerin hat ein Na⸗ ſen⸗Tuch in der Hand, welches ſie ganz traͤge ſchwingt, waͤhrend ſie mit der andern Hand eine zweite Taͤn⸗ jerin ergreift, und dieſe eine dritte. So bildet ſich