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Die Moſcheen ſind waͤhrend des ganzen Tages geoͤff⸗ net; der tuͤrkiſche Gottesdienſt waͤre deßwegen ſehr guͤnſtig zu geheimen Verſammlungen und Unterredun⸗ gen jeder Art. Eine mumienartig gebeugte Figur kann ſich leicht neben einer andern knien, ohne Verdacht zu erregen, und dieſer alles Beliebige zufluͤſtern. Je laͤn⸗ ger ihre unmerkliche Unterredung dauerte, deſto mehr wuͤrde der ſtille Beobachter erbaut werden. Es gibt weder beſondere Andachts⸗Stunden, noch Prieſter. Zwar rufen Thuͤrmer zu gewiſſen Stunden jedem Mu⸗ ſelmanne zu, jetzt ſey die Zeit zum Beten. Allein die Tuͤrken folgen ihrer Bequemlichkeit, oder ihrem inne⸗ ren Drange zur Andacht, und verrichten ihre Gebete, wann und wo ſie wollen. Man ſieht mehrere Tuͤrken an oͤffentlichen und geraͤuſchvollen Plaͤtzen kniend be⸗ ten, ohne daß ſie von Jemand geſtoͤrt, oder durch die mannigfaltige Umgebung zerſtreut wuͤrden. Nur muͤſ⸗ ſen Fremde ſich durch ihren Geſandten eine beſondere Erlaubniß fuͤr den Beſuch der Moſcheen erbitten. Mancher Reiſende wird auf die Anſicht von 60— 70 Kirchen beguͤnſtigt.. Die Begraͤbniß⸗Plaͤtze ſind ſehr zahlreich, und ſchließen gleichſam die Staͤdte Pera und Konſtan⸗ tinopel durch ihre ſchattigen und romantiſchen Huͤ⸗ gel ein. Denn die Baͤume und Grabmaͤler ſteben ſehr bunt unter einander, und bieren dem Luſtwanderer eine große Mannigfaltigkeit dar. Auf jedem Grab⸗ male der Art ſteht ein Turban als Krone, aus wel⸗


