Teil eines Werkes 
2. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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Der Großvezier beſucht oͤfters in der Nacht die Gefaͤngniſſe, und hat ſtets einen Henker bei ſich, un⸗ diejenigen toͤdten zu laſſen, die er fuͤr ſchuldig erkennt. Sein Gehalt beſteht in nicht mehr, als 20,000 Tha⸗ lern; allein fein Palaſt iſt ein Markt, wo alle Gnaden⸗ Erweiſungen feil ſtehen. Doch muß er bei dieſer Han⸗ delſchaft große Vorſicht gebrauchen: denn die Tuͤrkei iſt ein Land, wo die Gerechtigkeit oͤfters unter den groͤßten Ungerechtigkeiten am ſtrengſten beſtraft wird. Der Sultan kann den Raths⸗Verſammlungen in einem geheimen Gemache beiwohnen; auch muͤſſen ihm die vornehmſten Offiziere von allem Nachricht geben, was vorgefallen iſt. Iſt er mit ihrem Betragen zufrieden, ſo kehren ſie in Frieden zuruͤck. Findet er einen ſtraf⸗ faͤlig, ſo ſtoͤßt er mit dem Fuß gegen den Erdboden, und auf dieſes Zeichen wird er von den Stummen ohne alle Umſtaͤnde erdroſſelt. Manchmal fragt der Sultan den Mufti, was fuͤr eine Strafe derjenige verdient habe, der dieſen oder jenen Fehler begangen hat. Der Mufti ſpricht oft den Tod aus, ohne zu wiſſen, uͤber wen, und ſo trifft dieſes Schickſal manchmal ſeinen beſten Freund. Die Prozeſſe in der Tuͤrkei ſind ſelten, und jeder derſelben muß in ſieben Tagen geendet ſeyn. Ein Tuͤrke hatte einſt zu Marſeille mit einem Kauf⸗ mann Prozeß, der viele Jahre dauerte. Als er ge⸗ fragt wurde, wie ſeine Sache ſtehe, gab er zur Ant⸗ wort: ſie habe ſich ſehr veraͤndert; denn als er hieher Fam, habe er nur einen halben Bogen Papier und eine