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In einer kleinen Entfernung gegen Oſt der Mauer von Hierapolis iſt ein tiefes Bett eines Winter⸗ ſtromes, wo noch Druͤmmer von einer auf den Felſen gebauten Bruͤcke ſind. An dem Wege von bier nach der Stadt ſind einige ſteinerne Saͤrge und Begraͤb⸗ niß⸗Gebaͤude mit griechiſcher Inſchrift. In einiger Entfernung von der Weſtſeite der Stadt ſind 1½ Meile weit ſehr viele Grabmaͤler; 160 Schritte vom weſtli⸗ chen Stadtthore iſt eine Saͤulenſtellung auf 150 Schritte. Nord⸗ und ſuͤdwaͤrts ſind noch einige Gebaͤude und eine Kirche mit großen Wiederlagen, auf welchen, wie an alten Tempeln, Bogen ruhen. An der noͤrd⸗ lichen Seite des Huͤgels iſt ein ſehr ſchoͤnes Theater, vielleicht das vollkommenſte, welches ich geſehen habe. Es gibt hier Ueberbleibſel von feinen Reliefs in wei⸗ ßem Marmor, auf welchen Kaͤmpfe vorgeſtellt werden. Daraus mag die Beſtaͤtigung folgen, daß die Theater nicht blos zu den Schauſpielen, ſondern auch zu an⸗ dern Luſtbarkeiten gehoͤrten.
: Das hieſige warme Waſſer iſt die groͤßte Natur⸗ ſeltenheit Aſiens; es entſpringt ſuͤdwaͤrts vom Thea⸗ ter, fließt in ein Becken, iſt ſehr hell, laulicht, ſchmeckt wie Pyrmonter, iſt nicht ſo ſtark, und ſcheint viel Schweſel mit ſich zu fuͤhren. Man trinkt es nicht, ungeachtet ich weder ſalzige noch ſalpetrige Theile ſchmeckte, wodurch es ungeſund werden koͤnnte. Die Quellen ſpringen ſo ſtark, daß ſie einen Strom bilden. Nach der Verſicherung der Alten wurde dieſes Waſſer


