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ſeyn, wenn ſie nicht durch die venetianiſche Republik genaͤhrt und unterhalten worden waͤren. Das Inter⸗ eſſe der Pflegemutter war alſo ſchon in den fruͤheren Zeiten mit dem des Pflegekindes eng verbunden, und wer die Geſchichte jener Zeiten genau ſtudirt, wird ſich uͤberzeugen, daß keine Provinz in Griechenland iſt⸗ die nicht einſt unter dem Schutze des venetianiſchen Zepters ſtand. Als das griechiſche Reich zertruͤmmert, ſeinem Untergange ſich nahte, beſaß die Republik einen großen Theil des halben Arcadiopolis, Rodeſto, Adrianopel, Enllipoli, die ganze Gegend um Reveſa: und Artas ein Theil von Macedo⸗ nien, Lagedaͤmon, ein großer Theil von Morea, und ſehr viele Jaſeln des Archipels erkannten die Oberherrſchaft der venetianiſchen Republik. Mit Recht fuͤhrt ſie alſo den Titel: Dux Venetiarum, Dalma- tiae, Croatiae, Dominus quatae partis, et dimi- diae totius imperii Romaniae.
Als der hinterliſtige Thrazier(Mahomer II.) das Land der vertriebenen griechiſchen Prinzen in Be⸗ ſitz nahm, ſchien erranfangs die Venetianer ruhig laſ⸗ ſen zu wollen; allein ſein Geiz legte bald die Maske der Freundſchaft ab. Er uͤberfiel Argos, und die Re⸗ publik ſah nun ein, daß es Zeit ſey, an ihre Verthei⸗ digung zu denken. Ein zahlreiches Heer, die Fahne des Kreuzes vor ſich her tragend, wurde unter Anfuͤh⸗ rung des Generals Berthold von Eſte geſtellt.


