Teil eines Werkes 
2. Th., 2. Bdchn (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

611

Am 6. Januar betraten wir die unermeßliche Wuͤſte von Lybien. Kein Weg, keine Straße, kein Fußſteig kann unſere Tritte leiten, die mit Muͤhe ein⸗ gedruckten Spuren werden ſogleich wieder verwiſcht, und von ungeſtuͤmmen Winden empor gehobene Sand⸗ wellen verſchlingen manchmal die Menſchen.

Der arabiſche Name dieſer nackten Orte iſt Dſie⸗ bel, d. i. Berg.

Wir reiſten nach und nach 2 3 Meilen uͤber eine dicke Schichte feinen und unbeweglichen Sandes, wo Menſchen und Thiere im Gehen hinein fallen. Hier⸗ auf fanden wir mit Kieſeln bedeckte Ebenen. Auf der Oberflaͤche wurden dieſe zahlreicher; je hoͤher wir mit dem Boden ſtiegen, verſchwand der feine Sand immer mehr. Auf den Gipfeln der Huͤgel war die Sandſchichte feſt, und mit verſchiedenartigem Jaspis bedeckt.

Auf dieſen rauhen und holperigen Stellen erquickt keine Pflanze mit ihrem Gruͤne das ermuͤdete Auge, kein Baum gewaͤhrt dem Reiſenden Schatten; nur

hie und da ſind einige harte und magere Pflanzen, einige Arten von Straͤuchen mit wenigen Blaͤttern.

. Die Haſen ſind in der Wuͤſte ziemlich zahlreich. Ihr Fleiſch iſt den Mahomedanern verboten. Sie ſe⸗ hen faſt grau aus, und die Farbe veraͤndert und ver⸗ dunkelt ſich, je weniger heiß das Klima wird.

Unſer Weg ging den ganzen Tag uͤber nach Suͤd⸗ weſt; wir uͤbernachteteten auf dem Sand. Sobald