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das ausgeſtandene Ungemach viele Labung; denn man hatte uns bereits von Moskau her Proviant zuge⸗ ſchickt. Nun ruhten wir wohlgemuthet einige Tage. Vor unſerem Abzuge brachte man uns zwei Maͤdchen zum Kaufe, von 7 und 10 Jahren. Die Tartaren hat ten ſie, wie Ferkel, nackend in einen Sack geſteckt den ſie vor uns ausleerten. Beide Maͤdchen war an den Backen gezeichnet, aber doch den Koſacken, einem ihrer raͤuberiſchen Streifzuͤge, weggenomm. worden. Unſer Herr Geſandte kaufte beide Kinder fuͤr einige Thaler, und nahm ſie mit ſich nach Deutſchland. Wir aber verließen Aſtrachan den 7. September und gelangten, durch die Staͤdte Tzornogar, La⸗ ritza, Soratoff, Lamara Rama, nach Kaſan und Niſa. An einigen dieſer Orte verweilten wir mehrere Wochen, ſo daß wir erſt am 1. Januar 1639 Moskau wieder erreichten. Wir wurden ſchon vor der Stadt, wie vormals, praͤchtig empfangen, und in das Geſandtſchafts⸗Hotel begleiter. Der Großfuͤrſt hatte uns ſchoͤne Schlitten, mit reich gezierten Tey⸗ pichen belegt, und zwoͤlf Pferde geſendet. Waͤhrend unſerer Anweſenheit hatten die Geſandten mehrmals Audienz, welche von den vormaligen nur dadurch un⸗ terſchieden waren, daß alle Waͤnde und Fußboͤden mit ſchwarzen Tuͤchern behangen waren: denn es war kurz zuvor ein Prinz aus dem ezaariſchen Hauſe geſtorben. Erſt am 15. Maͤrz fuhren wir wieder von Mos⸗ kau ab, und zwar mit guter Schlittenbahn, erreich⸗ ten auf dieſe Weiſe Neugard und Narve, dann Kandg. Hier war der Schnee bereits geſchmolzen; wir reiſten alſo auf Waͤgen nach Reval, und von da zu Waſſer nach Travemuͤnde und Kiel, bis wir zuletzt zu Gottorf, am hollſteiniſchen Hofe, gluͤcklich wieder angelangt ſind..
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