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ſel zur Provinz Kilan, und die Bergſeite, an wel⸗ cher wir nun abwaͤrts zu ſteigen hatten, war nicht allein nicht beſchwerlich, ſonders aͤußerſt anmuthig. Bis⸗ her hatten wir Winter; jetzt ſahen wir uns auf ein Mal in die ſchoͤnſte Jahreszeit, gemiſcht mit den Freu⸗ den des Fruͤhlings und des Herbſtes, verſetzt. Bluͤ⸗ hende und Frucht tragende Baͤume von Pomeran⸗ zen, Citronen und Oliven, Gaͤrten und Weinberge, in welchen hier und da zierliche Gebaͤude und menſch⸗ liche Wohnungen halb verſteckt umher liegen, ergötz⸗ ten das Auge. Im Thale ſelbſt ſahen wir am naͤch⸗ ſten den Flecken Rubar, welchen wir am Abende erreichten und gute Aufnaͤhme fanden; denn die Ein⸗ wohner waren hier wohlhabend, ſehr reinlich, hoͤflich und gaſtfreundlich. Ihre Geſichtsfarbe iſt etwas blaſ⸗ ſer, als die der uͤbrigen Perſer; die Weiber ſind huͤb⸗ ſcher, tragen ſich meiſtens unverhuͤllt, in kurzen Roͤcken, das Haar wohl in zwanzig Zoͤpfe geflochten und uͤber die Schultern hangend. Sie treiben vorzuͤglichen Seidenbau. 3 4 Die Hauptſtadt der Provinz heißt Reſcht, zwar groß und weitſchichtig, aber ein offener Flecken, zwi⸗ ſchen ſchoͤnen Gaͤrten, unter Fruchtbaͤumen faſt ver⸗ ſteckt. Der Strand des kaſpiſchen Meeres iſt nur noch zwei Meilen entfernt. Wir hielten drei Tage und zogen dann weiter, uͤber Huͤgel und Thaͤler, durch ganze Waͤlder von Maulbeerbaͤumen, durch ſchoͤne, wohlgebaute Doͤrfer, zum Sraͤdtchen Korab, wo uns der CEhan daſelbſt gut empfing, und uns unter andern vier wilde Schweine verehrte. Er war eines georgianiſchen Chriſten Sohn, in ſeiner Jugend ge⸗ raubt und beſchuitten worden. Im Krtege, durch kuͤhne Wagſtuͤcke, machte er ſich dem Koͤnige ſo be⸗ merkbar, daß er bald zur Wuͤrde eines Fuͤrſten erho⸗ ben wurde. Er war ſehr freundlich in ſeinen Geſpraͤ⸗


