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Ispahan ausgerufen, und zwei Tage nachher un⸗ ter großem Jubel gekroͤnt. Nach der Kroͤnung kam jener Große, welcher ſei⸗ nen Bruder hatte umbringen laſſen, zu dem Koͤnig, und verlangte das Herzogthum, welches er ihm ver⸗ ſprochen hatte. Der Koͤnig antwortete ihm:„Du biſt deſſen wuͤrdig.“ Er hieß ihn darauf niederzu⸗ knieen, ernannte ihn zum Herzog, und ſtellte ihn zu⸗ naͤchſt ſich ſo an, daß er nach dem Koͤnige der vor⸗ nehmſte Mann in Perſien wurde. Am folgenden Tage, als der Koͤnig mit ſeinen Großen zu Rathe ſaß, legte er dieſe Frage vor: Was derjenige verdiene, der einen Herrn habe, welcher ihn faſt mehr, als ſich ſelbſt liebe, und ihn dennoch umbringen ließe. Nun will die Landesſitte, daß, wenn der Koͤnig eine Frage vorlegt, der Naͤchſte im Range nach ihm Antwort geben muß, und da dieſer neue Herzog gegenwaͤrtig war, ſo gab er endlich nach langem Zoͤgern unwillig zur Antwort, daß ein ſolcher Diener die groͤßte Strafe verdiene. Der Koͤnig ſtand dann auf, zog ploͤtzlich ſein Schwert aus der Scheide und ſagte:„Schurke, der biſt du, du ſollſt deinen verdienten Lohn ha⸗ ben, denn da du einen Herrn verrietheſt, der dich ſo ſehr liebte, ſo wuͤrdeſt du daſſelbe auch an mir thun. Nimm alſo hin deinen Lohn!“ Hiermit hieb er ihm mit eigenen Haͤnden den Kopf ab, und ließ ſeinen Leichnam den Kraͤhen im Felde vorwerfen. (Die Fortſetzung im naͤchſten Baͤndchen.)
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