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empfing ſeinen Brief mit vielem Vergnuͤgen, und ſann auf Anſchlaͤge dem Leben ſeines geliebten Herrn und Gebieters, der ihn, wie ich viele Perſer habe er⸗ zaͤhlen hoͤren, uͤber alles liebte, der aber bei ſeinen Unterthanen nicht beliebt war, ein Ende zu machen. Er beſtach daher den Barbier des Koͤnigs mit einer großen Summe Geldes, daß er ſeinem Herrn bei dem Raſiren die Kehle abſchnitt, und nach vollzogener That entfloh dieſer Große ſogleich zu ſeinem neuen Herrn. Das ganze Land gerieth hieruͤber in Aufſtand, und es wurden ein halb Dutzend Koͤnige ausgerufen; einige geblendete Bruͤder des Verſtorbenen und einige ſeiner Oheime, die ebenfalls blind waren; da das Volk ſei⸗ nen Neigungen nach waͤhlte. Allein dieſer Abbas kam mit ſeiner Macht, und belagerte Casbin, weil ihn die Buͤrger nicht aufnehmen wollten. Er kam je⸗ doch in wenigen Tagen hinein, und ließ viele durch das Schwert hinrichten, weil ſie ihm Widerſtand ge⸗ leiſtet hatten. So nahm ſeine Macht mit jedem Tage zu, und er marſchirte auf Ispahan los, welches die Hauptſtadt des Koͤnigreichs, und ohngefaͤhr zehn Tag⸗ reiſen von Casbin entſernt iſt, indem er ſich das Land unterwarf, und ſich die Menge mit ihm verei⸗ nigte. Die koͤniglichen Raͤthe brachten zwar ein be⸗ deutendes Heer zuſammen, um ſich ihm entgegen zu ſetzen, als ſie aber vernahmen, wie ſtark er bereits ge⸗ worden war, aͤnderten ſie ihre Geſinnungen, und em⸗ pfingen ihn fußfaͤllig unter großen Freudensbezeigun⸗ gen. Am folgenden Morgen ward er zum Koͤnige in


