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5) Venedig hat eine ſo eigne Lage, daß man eine ihr gleiche, wohl vergeblich ſuchen wuͤrde. Hol⸗ land koͤnnte wegen ſeiner Kanale einen Vergleich ab⸗ geben; allein daſſelbe ſteht auf dem feſten Lande, wo⸗ gegen Venedig auf dem Meere, das hier ſehr ſeicht iſt, und einen Sumpf bildet, erbaut iſt. Seine mei⸗ ſten Haͤuſer ſind aus Lehm und Sand gebaut, ſtehen aber durch die Pfaͤhle auf denen ſie ruhen, nicht we⸗ niger feſt, als auf dem feſten Lande. Ein Beweis iſt der St. Markus Thurm, der ſo hoch iſt, daß man alle Staͤdte im Venetianiſchen Gebiete; alſo in einem
Umkreiſe von 10— 12 Meilen, ſehen kann. Wollte ich
von allen Seltenheiten und Merkwuͤrdigkeiten Vene⸗ dig's Erwaͤhnung machen, ſo muͤßte ich ein ganzes Buch ſchreiben. Was mich uͤberall am meiſten intereſ⸗ ſirte, waren die Bildſaͤulen und Tafeln mit Inſchrif⸗ ten. Unter denen befand ſich das Grabmal des Cyni⸗ kers Diogenes und des Dichters Anakreon, dem eine Roſinbeere quer im Halſe ſtecken blieb, woran er erſtickte, wie der Dichter Theokrit, und die Inſchrift berichtet. Da ich zur Zeit des Feſtes der Himmelfahrt hier war, ſo wohnte ich der Feierlichkeit der Vermaͤh⸗ lung des Herzogs mit dem Meere bei, dieſe geht auf folgende Weiſe vor ſich. Der Herzog faͤhrt am erwaͤhn⸗ ten Tage in Begleitung ſeiner Miniſter in dem Bu⸗
kentauer auf die offene See. Der Bukentauer iſt eine
Art Galeere von 2 Stockwerken, die zu dieſem Feſte eigends gebant und mit vergoldetem Schnitzwerk ver⸗


