—
135
Ich brauchte einen Tag nach Viterbo, wo ich auf dem Rathhauſe das Bildniß des Annius ſah, der ſich in der gelehrten Republik durch ſeinen Betrug einen Namen erworben hat. Heut zu Tag naͤmlich zweifelt Niemand mehr, daß er der Verfaſſer der Al⸗ terthuͤmer des Beroſus und des Chronikon's von Manetho iſt, welche Werke er verfaßte, und unter ihren Namen herausgab. Er ließ auch allerlei In⸗
ſchriften und Charaktere in Marmor hauen, und in
die Erde vergraben. Als man ſie nach einigen Jahren fand, und die Alterthums⸗Forſcher vergebens verſuch⸗ ten, ſie zu leſen und zu entziffern, unternahm er es, und machte ſich dadurch beruͤhmt. Eine dieſer Mar⸗ mor⸗Tafeln, die ſich eingemauert daſelbſt noch vorfin⸗ det, enthaͤlt einen Widerruf der Geſetze Aiſtulph's durch den Lombarden Koͤnig Theodorich; die andere, in Griechiſcher Sprache, redet von einem Tempel der
Goͤttin Zybele nahe bei Viterbo. Der Betruͤg
wird ſehr begreiflich dadurch, daß beide Steine, die durch ein Jahrhundert von einander getrennt ſind, gleich gut erhalten, und mit gleichen Buchſtaben klar und nach einer Weiſe, wie man ſie ſonſt nicht leicht findet, beſchrieben ſind.
8. Hierauf reiſte ich uͤber Radicofani, eines der hoͤchſten Gebirge in Italien nach Florenz, welche den Beinamen der Schoͤnen nicht mit Unrecht fuͤhrt. Am meiſten entzuͤckte mich die Galerie des Großher⸗ zogs. In ihr ſah ich uͤber 130 Statuͤen, von denen et⸗


