Teil eines Werkes 
2. Bd. (1825)
Entstehung
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Ich ſuchte das Grab meiner Mutter auf: das Unkraut war ſchon daruͤber zuſammengewachſen und der Leichenſtein unter Neſſeln verborgen. Ich raͤumte ſie hinweg und ſie brannten mich, allein ich achtete des Schmerzes nicht, denn mein Herz blutete zu ſehr. Ich ſetzte mich auf den Stein und las die Grabſchrift mehr als einmal.

Sie war einfach aber wahr. Ich hatte ſie ſelbſt gemacht. Ich hatte ſie anfangs in Verſen abfaſſen wollen, allein vergebens; meine Gefuͤhle wollten ſich nicht in Reime zwingen laſſen. Mein Herz war nach und nach waͤhrend meiner einſamen Wanderung angeſchwollen, es war itzt bis zum Ueberfließen voll, und es floß uͤber. Ich ſank auf die Stelle hin, verbarg mein Geſicht in dem hohen

Graſe, und weinte wie ein Kind. Ja, ich

weinte als Mann an dem Grabe, wie ich es als Kind an dem Buſen meiner Mutter gethan hatte. Ach, wie wenig ſchaͤtzen wir doch die Zaͤrtlichkeiten einer Mutter, ſo lange ſie lebt! wie wenig achten wir in der Jugend auf alle ihre Beſorgniſſe und ihre Liebe fuͤr uns! Doch, wenn ſie todt und da⸗ hin iſt, wenn die Sorge und die Kaͤlte der Welt erſtarrend auf unſer Herz wirken, wenn wir erken⸗ nen, wie ſchwer es iſt, wahren Antheil zu ſinden, wie wenige Leute uns um unſer ſelbſt willen lieben,