356
meiner ſchwachen Boͤrſe zu leben, bis mein Oheim den Geiſt, oder vielmehr den Beſitz ſeines Gutes aufgegeben haben wuͤrde. Ich blieb alſo zu Hauſe, las, und wuͤrde geſchrieben haben, haͤtte ich nicht zu viel durch meine poetiſchen Erzeugniſſe zu leiden gehabt, die mich gewoͤhnlich in irgend eine beſchaͤ⸗ mende Verlegenheit gebracht hatten. Ich bekam nach und nach etwas Verroſtetes, und gewann ein kuͤmmerliches borgendes Anſehen, was zur Folge hatte, daß man mir aus dem Wege ging. Ich habe nie Veranlaſſung gefuͤhlt, mit der Welt uͤber ihr Betragen zu hadern, denn ſie hat mich immer ſehr gut behandelt. Wenn ich flott und vergnuͤgt gelebt habe und zur Geſelligkeit geneigt geweſen bin, hat ſie mir geliebkoſ't; bin ich dagegen in be⸗ draͤngten Umſtaͤnden geweſen, und habe ich dann ge⸗ wuͤnſcht, in Ruhe zu ſeyn, ſo hat ſie mich— in Ruhe gelaſſen; was kann der Menſch mehr verlangen? Verlaſſen Sie ſich auf mein Wort, dieſe Welt iſt
ungleich verbindlicher, als man ſie gewoͤhnlich dar⸗
ſtellt.
Mitten in meiner Einſchraͤnkung, Eingezogenheit und meinen Studien, erhielt ich Nachricht, daß mein Oheim gefaͤhrlich krank ſey. Ich eilte auf den Fluͤ⸗ geln der Erbenliebe, ſeinen letzten Athemzug und ſein Teſtament zu empfangen. Ich fand ſeinen
——


