Druckschrift 
Die Alhambra, oder das neue Skizzenbuch / von Washington Irving
Einzelbild herunterladen

— 345—

gesanbruch wußte er ſie in ſeine Stube zu bringen und verließ die zwei wachhabenden Statüen mit ihren auf die leere Wand gerichteten Augen.

So war Sanchez plötzlich ein reicher Mann gewor⸗ den; aber der Reichthum brachte, wie gewöhnlich, eine Welt voll Sorgen mit ſich, denen er bisher gänzlich fremd geweſen war. Wie ſollte er ſeinen Schatz ſicher wegbringen? Wie ſollte er ſich deſſelben nur erfreuen, ohne Verdacht zu erregen? Zum erſten Mal in ſeinem Leben erwachte jetzt auch die Furcht vor Räͤubern in ſei⸗ ner Seele. Er blickte mit Schauer und Schrecken auf das Unſichere ſeiner Wohnung und begab ſich daran, Thüren und Fenſter zu verrammeln und zu vermachen; nach allen dieſen Borſichtsmaßregeln konnte er aber doch nicht ruhig ſchlafen. Seine gewöhnliche Heiterkeit war dahin, er hatte für ſeine Nachbarn keinen Scherz und keine Lieder mehr und kurz, er wurde das unglücklichſte Geſchöpf in der Alhambra. Seine alten Kameraden be⸗ merkten ſeine Veränderung, bemitleideten ihn von Her⸗ zen und fingen an, ihn zu verlaſſen, indem ſie dachten, er müſſe in Noth verſunken ſeyn und Gefahr laufen, ſie um Huͤlfe anſprechen zu müſſen. Der Gedanke, daß ſein ganzes Elend Reichthum ſey, lag ihnen ſehr fern.

Die Fran unſeres Lope Sanchez theilte ſeine Angſt, aber ſie hatte dafür geiſtlichen Troſt. Wir häͤtten ſchon früher erwähnen ſollen, daß, da Lope ein etwas leichter, unbeſonnener kleiner Mann war, ſeine Frau ſich gewöhnt hatte, in allen wichtigen Gegenſtänden den Rath und Beiſtand ihres Beichtvaters, des Pater Simon zu ſu⸗ chen, eines ſtarken, breitſchultrigen, blaubartigen, rund⸗