Abend in der Poſada zu, und ſang mehrere kecke Ge⸗ birgslieder mit vieler Lebhaftigkeit. Während wir zu Nacht aßen, kamen zwei arme Aſturier herein, und ba⸗ ten um Speiſe und Nachtherberge. Sie waren auf einem Markt im Gebirge geweſen, Räuber hatten ſie auf dem Rückweg angefallen, ihnen ein Pferd genommen, das ihren ganzen Waaren⸗Vorrath trug, ſie ihres Gel⸗ des und des größten Theils ihrer Kleidung beraubt, ſie geſchlagen, weil ſie ſich widerſetzt, und ſie faſt nackt auf der Straße gelaſſen. Mein Gefährte befahl mit dem raſchen Edelſinne, der ihm eigen, daß man ihnen Nacht⸗ eſſen und ein Bett geben ſolle, und ſchenkte ihnen eine Summe Geldes, damit ſie ihre Heimath erreichen könnten.
Mit dem Vorſchreiten des Abends vermehrten ſich die Perſonen des Drama's. Ein dicker Mann, ungefähr ſechzig Jahre alt, von kräftiger Geſtalt, kam herein, um mit der Wirthin zu ſchwatzen. Er war in der ge⸗ wöhnlichen andaluſiſchen Tracht, hatte aber einen großen Säbel unter dem Arme ſtecken; er trug einen großen Schnurrbart und hatte ein etwas großthueriſches, win⸗ diges Weſen. Alles ſchien ihn mit großer Ehrerbietung zu behandeln.
Unſer Burſche Sancho flüſterte uns zu, es ſey Don Ventura Rodriguez, der Held und Kämpe von Lora, berühmt wegen ſeiner Kühnheit und der Kraft ſeines Armes. Zur Zeit des franzöſtſchen Einfalls überraſchte er ſechs Reiter, die eingeſchlafen waren; er brachte erſt ihre Pferde in Sicherheit, griff ſie dann mit ſeinem Sä⸗ bel an, tödtete einen und nahm die übrigen gefangen. Wegen dieſer Thatt bewilligte ihm der König eine Pe⸗


