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Oden und vermischte Gedichte / Victor Hugo. Dt. von Ferdinand Freiligrath
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„Wo herrſcht' ich denn?“ frug da die Seel' mit Trauern, „Gefangner bin ich, König bin ich nicht! 1 Noch geſtern ſchlief ich zwiſchen finſtern Mauern; 3 Wo herrſcht' ich denn? o, redet!— Keiner ſpricht. Soll ich den Henkern meines Vaters fluchen? Sie haben Galle meinem Mund gereicht; Ich bin verwaiſ't; ich will die Mutter ſuchen, Die meine Träum' im Himmel mir gezeigt.“

Die Engel drauf:„Dein Gott rief dich zurücke Aus einer Welt des Frevels und der Tücke.

Die Erde flieh', wo man das Kreuz zerbricht;

Wo ſelbſt das Grab nicht ſchützet vor den Räubern, Wo Königsmord die Erd' nach Königsleibern Umwühlt, und über Todte hält Gericht!“—

„So hab' ich denn mein Leben ſchon vollendet, Ward meinen Leiden ſchon ein Ziel geſteckt?

Und dieſen Traum von eurem Himmel, endet

Kein Wächter ihn, der mich in Feſſeln weckt?

In meinem Thurm, auf harter Lagerſtätte,

Rief ich um Hülfe zu des Ew'gen Thron;

Iſt es kein Traum? zerbrach er meine Kette? Ward mir, o ſprecht! das Glück, zu ſterben, ſchon?

Ihr wißt es nicht, was ich hab' dulden müſſen! Jedweder Tag bracht' einen neuen Schmerz!