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Oden und vermischte Gedichte / Victor Hugo. Dt. von Ferdinand Freiligrath
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Duͤrft' ihn der Hochmuth zu beleid'gen wagen

Und trüg ihm ſchnöde Gaben an;

Gott, ſtänden weinend, bleich von Frieren

Und Hunger, vor des Günſtlings Thüren

Ihm Nutter, Wittwe oder Kind,

Und müßten dem, zu dem ſie flehen, ſagen,

Daß Ihn— Sohn, Gatten, Vater— ſie getragen Zu Grabe,— daß ſie einſam ſind;

O Gott! wenn dann, verarmt, der treue Bürger, Den ein Verräther, reich und groß, verlacht,

Es hörete, wie ſeines Königs Würger

Ihn ſchlecht vor allem Volke macht;

Wenn, um das Maaß der Schmach zu füllen, Ein Richter gar, durch freveln Willen Entweihend alten, heihgen Brauch,

Auf ſeine Stirn Verdacht zu häufen käme,

Das Eiſen, ſeinen erſten Stolz ihm nähme— Vielleicht ſein letztes Hoffen auch:

O, dann ergeb' er ſich!— Der Uebelthäter Schmäht den Gerechten, der nur Leid erwarb; Doch er gedenk' der Miſſethat der Väter,

Des Gottes denk' er, welcher ſtarb.

Oft läßt der Herr die freche Stirne

Das Laſter heben, gleich als zürne

Der Unſchuld er, die er bedrücken läßt.