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Oden und vermischte Gedichte / Victor Hugo. Dt. von Ferdinand Freiligrath
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— XXXII—

ſtiſchen Vorurtheile, das anſteckende Gift der Routine, die Manie der Nachahmung bringen dieſelbe Wirkung hervor. Wenn ihr eure natürlichen Fähigkeiten darin begrabt, ſo gehen eure Phantaſie, euer Gedanke nicht wieder daraus hervor. Was ihr rettet, hat vielleicht noch einen Schein von Geiſt, von Talent, von Genie; aber es iſt verſteinert.

Nach den Schriftſtellern, die ſich den Namen der elaſſiſchen geben, entfernt ſich von der Bahn des Wahren und des Schönen, wer nicht ſklaviſch den Fuß⸗ tapfen folgt, welche Andere vor ihm darauf zurückließen. Falſch! dieſe Schriftſteller verwechſeln die Routine mit der Kunſt; ſie nehmen die Spur für den Weg.

Der Dichter ſoll nur Ein Muſter haben, die Natur; Einen Führer, die Wahrheit. Nicht mit dem, was geſchrieben iſt, ſoll er ſchreiben, ſondern mit ſeiner Seele und mit ſeinem Herzen. Von allen Büchern, welche in den Händen der Menſchen umlaufen, ſollen nur zwei durch ihn ſtudirt werden: Homer und die Bibel; und zwar deswegen, weil dieſe beiden ehrwürdigen Bücher, die erſten ihrer Zeit und ihrem Werthe nach, ſie, die faſt ſo alt ſind wie die Welt, ſelbſt zwei Welten für den Gedanken ſind. Man findet in ihnen gewiſſermaßen die ganze Schöpfung aus ihrem doppelten Geſichtspunkte betrachtet, im Homer durch den Genius des Menſchen, in der Bibel durch den Geiſt Gottes.

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