— 289— Didier. Ich bitte, ſeh'n Sie mich noch ferner an. (Er ſieht ſie ſcharf an, ſie zittert wie Espenlaub.)
Marion(bei Seite.) Gott! Sollt' er wohl des Andern Küſſe ſeh'n? (taut) Hör' mich, mein Didier!— Du haſt ein Geheimniß, Du biſt unfreundlich gegen mich.— Was iſt dir? Du mußt mir Alles ſagen; denn man denkt ſich Oft Böſes, ſpäter dann gereut es uns, Wenn durch Verſchweigen uns ein Unglück trifft. Ach ſonſt! da wußt' ich immer, was du dachteſt. Iſt denn das Alles ganz und gar vorbei? Und liebſt du mich nicht mehr? Gedenkſt du noch An Blois und an das kleine Zimmer dort, In dem ich wohnte, wie wir da uns liehten In tiefem Frieden, Alles rings vergeſſend? Nur du, du warſt zuweilen unruhvoll. Wie oft ſagt' ich: Gott, wenn es Jemand ſähe! Ach, es war ſchön.— Ein Tag zerſtörte Alles. Wie oft haſt du, Geliebter, mir geſagt Mit Flammenworten, daß ich deine Liebe, Daß dein Geheimſtes mein, daß Alles du Thu'n würdeſt, was ich von dir forderte. und hab' ich je etwas von dir verlangt? Du weißt, wie leicht ich deinem Willen folge, Doch heute gib mir nach. Es gilt dein Leben, Todt oder lebend, immer folg' ich dir, V. 19


