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zehn Jahren gekannt?— Mich däucht: alle Theile mei⸗ nes Herzens, die der Froſt getödtet, müßten dann noch leben! Welche Wonne, daß wir für einen Augenblick uns allein hier ausſprechen können!— Welche Thorheit, daß wir nach Padua kamen; wir leben hier unter ſolch einem Zwange!— Mein Rodolfo!— Ja, bei Gott, er iſt mein Geliebter! Ja wohl, ganz recht, mein Bru⸗ der!— Merk: Ich bin vor Freude wahnſt innig, wenn ich nach Herzensluſt mit dir rede; du ſiehſt wohl, daß ich toll bin.— Liebſt du mich?
Rodolfo. Wer ſollte Euch nicht lieben, Tisbe?
Tisbe. Wenn Ihr mich noch einmal mit„Ihr“ anſprecht, ſo werde ich böſe.— Ach Gott, ich muß mich doch ein wenig meinen Gäſten zeigen.— Sag doch: ſeit einiger Zeit find' ich dich ſo traurig! Gelt, du biſt nicht betrübt?
Rodolfo. Nein, Tisbe!
Tisbe. Du biſt nicht leidend?
Rodolfo. Nein.
Tisbe. Du biſt auch nicht eiferſüchtig?
Rodolfo. Nein.
Tisbe. Doch! ich will, du ſollſt eiferſüchtig ſein, oder es iſt gewiß, daß du mich nicht liebſt. Auf! Fort mit der Traurigkeit! Ach, in der That, ich zittre be⸗ ſtändig.— Du biſt nicht unruhig? Weiß Niemand hier, daß du nicht mein Bruder biſt?
Rodolfo. Niemand, außer Anafeſto.


