— 26— Zehnmänner! Schickt einen Handwerksmann
ganz allein in ein Gewölbe, daß er ein Schloß davor mache; bevor
es fertig iſt, hat der Rath der Zehn ſchon den Schlüſſel in der Taſche.— O Signora, der Lakai, der mich be⸗
dient, ſpionirt mich aus, der Freund, der mich grüßt, thuts deßhalb, der Prieſter thuts, der meine Beichte hört, das Weib, das mir ſagt: Ich liebe dich,— ja Tisbe, — es iſt mein Spion!
Tisbe. Ach,— Signor!
Angelo. Ihr ſagtet mir niemals, daß Ihr mich liebtet. Ich ſpreche nicht von Euch, Tisbe.— Ja, ich wiederhole es Euch, Alles, was mich anblickt, iſt ein Auge des Raths der Zehn, Alles, was mich hört, iſt ein Ohr des Raths der Zehn; Alles, was mich berührt, iſt eine Hand des Raths der Zehn. Furchtbare Hand, die anfangs lang betaſtet, und dann mit derbem Griff faßt! Oh, ſo ein ſtattlicher Podeſta ich bin, ich bin doch nicht ſicher, morgen plötzlich einen elenden Sbirren in meiner Kammer zu ſehen, der mir befiehlt, ihm zu fol⸗ gen; ja, bloß ein elender Sbirre, und doch werde ich ihm folgen! Wohin? in irgend eine Tiefe, aus der er ohne mich wieder emporſteigen wird. Signora! Ein Ve⸗
nezianer ſein, heißt: an einem Faden hängen! O mein Loos iſt düſter und ſtreng, Signora!— Hier uber die⸗ ſem brennenden Schmelzofen, den man Padua heißt, zu hocken, das Antlitz ſtets unter der Maske, meinen Ty⸗ rannenfrohndienſt verrichtend, von Wechſelfällen, Vor⸗


