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Angelo, Tyrann von Padua. Marion de Lorme / [Victor Hugo]. Dt. von Eduard Duller ...
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herzſchlaglebendige Geſchichte abgehandelt werde, daß ſie die Idee ſelbſt vor den Augen des Publikums auf keine andere Weiſe verhülle, als wie das Fleiſch den Knochen.

Dieß alles zu bewirken, hat nun der Verfaſſer des folgenden Dramas bezweckt, und muß nur bedauern, daß kein Tüchtigerer, als eben er, auf dieſe Abſicht verfiel.

Jetzt, da der augenſcheinlichſte Erfolg, welcher alle Hoffnungen des Dichters überſtieg, dieſer Abſicht zu Theil wurde, fühlt derſelbe das Bedürfniß, ſeine ganze Idee vor jener theilnehmenden und gebildeten Menge zu er⸗ örtern, welche ſich jeden Abend vor ſeinem Werke ver⸗ ſammelt, und eine Neugierde mitbringt, welche für ihn zur Verantwortlichkeit wird.

Man kann nicht genugſam darauf zurückkommen, daß das Theater jetzt für Jeden, der irgend über die Bedürf⸗ niſſe der bürgerlichen Societät nachdachte, denen die Be⸗ ſtrebungen der Kunſt entſprechen müſſen, eben doch eine Schule bleibt. Das Drama, wie der Verfaſſer des vorliegenden Werkes wenigſtens ein ſolches beabſichtigte, und wie ein Mann von Genie auch wirklich ein ſolches zu Stande bringen würde muß der Menge eine Philo⸗ ſophie geben; den Ideen eine Formel; der Poeſie Muskeln, Blut und Leben; den Denkern eine unbefan⸗ gene Deutung; den Durſtigen Labe; heimlichen Wunden Balſam; Jedem Rath; Allen ein Geſetz.

Keine Frage, daß vor allen Dingen die Bedingun⸗ gen der Kunſt an und für ſich vollſtändig erfüllt werden