Vendome zu begraben, beiſeite gelegt worden war, gab ſich die Kammer mit Weinen und Schreien ab. Man redete viel, man ſeufzte und man erhob die Hände gen Himmel. Die Todesſtrafe— o Gott, wie entſetzlich! Mancher alte Generalprokurator, ergraut unter der rothen Toga, und der ſein Leben lang, ſein in das Blut der Requiſition getunktes Brod gegeſſen hatte, nahm ein verſchämtes Geſicht an und ſchwor bei allen Göttern, daß er auf die Gutllotine mächtig erbittert ſei. Zwei Tage lang wurde die Tribüne von ſalbungs⸗ und thränenreichen Rednern nicht leer. Es war eine Lamentation, ein düſteres Pſalmen⸗Concert, ein super flumina Babylonis, ein stabat mater dolorosa, eine große Symphonie in Moll mit Chören von Rednern. Der Eine ſang in ſeinem Baß, der Andere im Falſet, kurz es fehlte nichts. Die Sache war pathetiſch und kläglich zugleich. Die Sitzung zur Nachtzeit war beſon⸗ ders rührend, väterlich und herzzerreißend, wie ein fünf⸗ ter Akt von Lacheuſſe. Das gute Publikum verſtand davon nichts, hatte aber doch die Augen voll Thränen*).
*) Nicht Alles, was bei dieſer Gelegenheit in der Kam⸗ mer geſprochen wurde, wollen wir mit Verachtung behandeln; denn auch manches ſchöne und würdige Wort iſt vernommen worden. Wir haben, wie viele Andere, der ernſten und einfachen Rede des Herrn von Lafayette, und, in einer anderen Beziehung, der bemerkenswerthen Improviſation des Herrn Villemain unſern Beifall ge⸗ geben.


