5
—-— 228—
Bruder in Weſtindien; ſeine Angelegenheiten waren in Unordnung und ſein Beſitzthum durch verſchiedene Han⸗ delsforderungen, die das ganze zu verſchlingen drohten, in Anſpruch genommen. Unter dieſen unglücklichen Umſtänden blieb ihr Jahrgeld plötzlich aus; ſie hatte vergeblich ver⸗ ſucht, von der Wittwe eine Erneuerung der Zahlung, oder auch nur Auskunft über die Lage der Angelegenheiten ihres Bruders zu erhalten. Seit den letzten drei Jah⸗ ren waren ihre Briefe unbeantwortet geblieben und ohne eine kleine Summe, welche ihr Verwandter in England ihr vierteljährig ſchenkte, wäre ſie den Schrecken der furchtbarſten Armuth preisgegeben geweſen.
Obriſt Wildman ging mit dem ihm eigenen Wohl⸗ wollen in die Geſchichte ihres Unglücks ein. Er ſah, daß ſie ein hülfloſes unbeſchütztes Weſen ſei, wegen ihrer Krankheit und ihrer Unbekanntſchaft mit der Welt unfähig, ihre gerechten Anſprüche geltend zu machen. Er erhielt von ihr die Adreſſen ihrer Verwandten in Amerika und der Handelsverbindungen ihres Bruders; verſprach ihr, mittelſt ſeiner eigenen Geſchäftsführer zu Liverpool eine Unterſuchung über die Lage der Angele⸗ genheiten ihres Bruders anſtellen zu laſſen und ihre Briefe in einer Weiſe zu befördern, daß ſie den Ort ihrer Beſtimmung unfehlbar erreichen ſollten.
Die kleine weiße Dame ſetzte, von ſchwacher Hoff⸗ nung begeiſtert, ihre Wanderungen in der Abtei und deren Umgebungen fort. Die Zartheit und Schüchtern⸗ heit ihres Benehmens vermehrte die Theilnahme, welche


