kann ich beſchwören. Verzeihen der Herr Juſtitiar, das iſt meine unmaßgebliche Anſicht.“
Dieſer abermochte ſich fragen:„Sollte der alte Mann, der am Rande des Grabes ſteht, mich belügen? ſollte er hier die Hände mit im Spiel gehabt, die Schlüſſel ſelbſt hergegeben haben?“
„Ich bedarf jetzt,“ ſagte er zu den Umſtehenden, „einige Stunden zur ruhigen Erwägung der Umſtände und bitte Euch, mich zu verlafſen; möge es uns gelingen, die Schuldigen zu entdecken und der verdienten Strafe zu übergeben.“
Am Nachmittag, wie er verſprochen, erſchien der Ge⸗ richtshalter in der Behauſung Georg'’s und ließ Gertrud bitten, ihm einige Worte unter vier Augen zu geſtatten.
„Liebe Frau,“ leitete er das Geſpräch ein,„Ihr wißt, daß ich heute das Teſtament des ſeligen Herrn He⸗ bart den Erben publicirt habe.“
„Ja, aber nur das weiß ich und muß annehmen, es iſt etwas ganz Beſonderes vorgefallen, denn mein guter Mann und meine liebe Mama ſind ſo wortkarg und traurig heimgekommen, wie ich ſie noch nicht geſehen habe. Meine Bitten, mir ihren Kummer zu eröffnen, haben nichts gefruchtet; ach, ich bin recht unglücklich!“
Bei dieſen Worten füllten ſich die ſonſt ſo hellen, freundlichen Augen mit Thränen.
„Beruhigt Euch,“ fuhr Jener fort,„und hört mir
Moriz Horn: Der Freiſchulze. 16


