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Der Freischulze : eine Erzählung / von Moriz Horn
Entstehung
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lichen Wolken verſchonte, ſchon zu Anfang des Maien den vollen Blütenſchleier trug.

In dieſer wonnigen Jahreszeit, in welcher unſer Herz ſo recht innig⸗froh empfindet, daß es in der ſchönen Gottes⸗ welt ſchlagen darf, kommen uns die Städte und Dörfer auch ſchöner, ſchimmernder vor, es bedünkt uns, als be⸗ mühe ſich jedes von der vortheilhafteſten Seite zu erſchei⸗ nen. Die Heiterkeit der blühenden Monate verklärt das unbedeutendſte Bäumchen, das auf einer verfallenen Mauer oder in den zerborſtenen Quadern eines Thurmes heraus⸗ gewachſen iſt und auch ſeinen Freudenantheil an der Lenz⸗ zeit genießen will.

Welcher Unterſchied zwiſchen dieſen Tagen und denen, wo die Melancholie des todten Herbſtes das Flurbild, wie das der Städte und Dörfer mit dem düſteren Rahmen umſtellt!*

Von dem Dorfe Tannengrün konnte man ſagen, daß es buchſtäblich ein Lenzangeſicht trage.

Seine Gehöfte und Häuſer liegen meiſtentheils zwi⸗ ſchen Gärten und Kirſchplantagen, deren gedeihliches Aus⸗ ſehen von der ſorglichen Vorliebe Zeugniß giebt, die ſie hegt und pflegt. Jetzt nun laſſen die rothen Ziegel und die gelben Schaubendächer ganz anmuthig zu den blühen⸗ den Bäumen, zu dem friſch⸗ſaftgrünen Laub.

Die letzten Häuſer ſcheinen an der Lehne der Berge, welche zwar keine beſondere Höhe haben, indeſſen mit