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„Noch ich,“ ſagte die Gräfin.„Der Abend währt noch lang; wie wär' es?“. Ich bat die Gräfin, zu befehlen, was ſie hören wolle.
Sie wählte Göthe's Iphigenie.
Nach der Vorleſung empfahl ich mich. Es war beſchloſſen, daß ich am nächſten Tage früh Morgens reiſen würde.
Die Gräfin gab mir einen Wink, daß ſie mich noch auf ihrem Zimmer zu ſprechen wünſche.
Als ich Lebewohl geſagt und Anton gebeten, ſich morgen früh meinetwegen nicht aus der Ruhe ſtören zu laſſen, trennten wir uns wie alte Freunde.
Ich folgte der Gräfin.
Allein mit mir nahm ſie das Wort:.
Mein Pflegeſohn hat nicht bedacht, daß die literariſche Arbeit, wozu er Sie aufmuntert, und welche nur dann
des Leſers Theilnahme erwecken kann, wofern ſie wahr
iſt, aber wahr bis in's tiefſte Geheimniß der menſchlichen Seele, außer ihm noch andere Perſonen berührt, Halten
Sie mich nicht für eine engherzige Frau, die durch Stan⸗
desrückſichten oder vorgerücktes Alter verhindert würde, die Dinge anzuſehen, wie ſie ſind. Ich weiß mich von jedem Vorurtheile frei. Aber ich wünſche nicht in einem Roman eine Rolle zu ſpielen, ſo lang' ich noch lebe. Mögen Sie Namen und Orte verändern, wie Sie wol⸗ len,... mein furchtbares Geſchick können, dürfen Sie
nicht verändern in Ihrer Erzählung. Wenn ich todt
bin, haben Sie freies Feld. Meines Gemahles Name


