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läſſet ſich nicht täuſchen. Ich empfand Deine Leiden, wie Du; ich machte Deine Kämpfe in meinem Herzen mit. Dennoch unterſagt' ich mir den Troſt, darüber mit Dir zu ſprechen. Ich dachte ſo: Entweder auch diefes Kind, welches ich jetzt am Herzen trage, iſt dem Tode geweiht, nun, dann bin ich es auch; dann iſt er ohnedies wieder frei!! Oder das Kind lebt, und ich lebe mit ihm—(denn ich wußte, Gott würde mich nicht von dieſem Kinde tren⸗ nen!) nun, dann iſt immer noch Zeit, mein Herz ihm zu öffnen; dann wird ſich der paſſende Moment ſchon fin⸗ den. Dieſer Moment iſt eingetreten. 3
3 Bald bringt man mir mein kleines Mädchen zurück, es hat einen Namen, es iſt ein menſchliches Weſen, es wächſt heran in meiner Sorge und Pflege, ich bin die glücklichſte Mutter, die reichſte Frau auf Erden. Wär' es nicht ſchändliche Selbſtſucht von mir, ſträfliche Ungenüg⸗ ſamkeit, wollt' ich zu all' meinen Schätzen auch noch die Herrſchaft über Dich fügen? Wollt' ich, auf Deine Liebe,
Deine Redlichkeit trotzend, dich eigenſinnig feſthalten;
Dich hindern, die Flügel zu regen, die das Bedürfniß fühlen, ſich zu entfalten? Sieh', das mußt' ich Dir ſagen; es kommt mir aus der Seele! Sei frei! Sei, wie wenn Du kein Weib hätteſt! Zieh' hinaus und reiſe! Treibe Dich in der weiten Welt umher! Durchſtreife Länder und Meere! Mache, was Du willſt, Anton; unternimm, wozu die Neigung Dich auffordert! Ich werde nicht kla⸗ gen, nicht weinen, nicht grollen. Ich werde mit meiner Tochter hier bleiben, eine treue Hausfrau, eine gute Wirthin ſein, und wenn Du wieder einmal heimkehrſt,


