Teil eines Werkes 
3. Bd. (1857)
Entstehung
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und Noth ſich nach Hilfe ſehnte. Sein Nachfolger(Ihr Vorgänger, Anton) warf das Geld mit vollen Händen unter die Armen des Dorfes, ohne daß er ſich dadurch bei ihnen beliebt gemacht hätte; fragen Sie heute nach Theo⸗ dor van der Helfft, ſo wird kein Menſch in Liebenau ihn anders bezeichnen, als: der vorige Herr, der immer auf Reiſen war und auch auf Reiſen ſtarb. Hedwig hat nur allzu Recht, wenn ſie entſchloſſen iſt, auch über Winter

hier zu bleiben; dieſen Winter, wie immer.

Nachdem Ottilie einige Male in dieſem Sinne gere⸗ det, ſtand bei Anton die Ueberzeugung feſt, die beiden Frauenzimmer hätten ſich heimlich miteinander gegen ihn verbündet. Er ſchwieg und dachte nur: o, meine Frei⸗ heit!

Vielleicht wäre dieſer Gedanke, an ſich ſchon gefähr⸗ lich genug, zu einem unheilbringenden geworden, wenn nicht Anton's Gutmüthigkeit und liebevolle Geſinnung für Hedwig in der Sanftmuth dieſer mild⸗weiblichen Natur immer wieder neue Nahrung gefunden und da⸗ durch jeden möglichen Ausbruch von Ungeduld oder Hef⸗ tigkeit verhindert hätte. Sie gingen, er und ſie, neben einander her, ſo vorſichtig, ſo ſchonend, ſo rückſichtsvoll, ſie, als ob ſie ahnete, daß in Anton's Herzen ein wun⸗ der Fleck verborgen ſei; er, als ob er verhüten wolle, daß die Frau entdecke, wo und warum er leide.

Ottilie ſuchte freilich zu vermitteln und that es mit Geiſt, Gemüth und gutem Willen.

Da machte ſich's denn erträglich; aber auch nur erträglich.