mit heißen Winden und lauem Regen. Man mochte keinen Fuß vor die Thür ſtellen. Pocht es eines Abends bei uns an. So ſpät? ſpricht der Alte. Ein Brief! ruft Deine Mutter und ſtürzt hinaus. Es war ſo. Der Briefträger hatte wirklich einen gebracht. Des Grafen Siegel, nicht ſeine Handſchrift. Deine Mutter las ihn ruhig durch, zwei⸗, dreimal. Dann ſagte ſie: ich muß einen Sprung zu Bildhauers machen; hab' eine noth⸗ wendige Beſtellung. Jetzt, in der Nacht, bei dem Wet⸗ ter? frag' ich. Ich muß, ſagte ſie, legte Dich auf ihr Bett, gab Dir einen Kuß und nahm ihren Mantel um. Dann reichte ſie mir und meinem Alten die Hand. Du nimmſt ja ordentlich Abſchied? ſprach der. Vielleicht bleib' ich über Nacht aus, war ihre Antwort; pflegt den Jun⸗ gen!— Weg war ſie!
So wett' ich doch, was Einer will, ſagt' ich zu Dei⸗ nem Großvater, der Graf iſt hier und beſtellt ſte zum Geſpräch. Deſto beſſer, meinte der Alte, vielleicht führt's zu gutem Ende.
Nun ja, freilich wohl, zum Ende hat es geführt.
Du ſchliefſt ſo ruhig an meiner Seite, Anton, Du wußteſt von Nichts. Dein Großvater ſchnarchte mit dem Thauwind um die Wette, der im Schornſtein heulte. Ich ſchlief nicht. Bis Mitternacht lauſcht' ich immer, ob nicht die Thüre gehen, ob Nette nicht heimkehren würde. Sie kam nicht. Dann überließ ich mein Haupt den traurigen Gedanken, die darin ihr Weſen treiben woll⸗ ten. Und als ich endlich gegen Morgen einſchlief, ſah ich im Traume Nichts als Waſſer; dickes, gelbes, trübes


