Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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auf den Boden, der Großmutter zu Füßen und ſein tiefes Auge feſt nach ihr gewendet, fragte er in rührendem Tone: Nicht wahr, ich ſehe ihr gleich?

Nur allzuſehr, erwiederte die Großmutter.

Anton ſchwieg ein Weilchen, dann begann er: das iſt wieder eines von den dunklen, unverſtändlichen Worten, wie ſte Dir oft entſchlüpfen, Alte, gleichſam gegen Deinen Willen. Sie ängſtigen mich, dieſe Worte. Siehſt Du, das muß ein Ende nehmen. Ich will wiſſen, was es mit meiner ſeligen Mutter war? Will wiſſen, wer mein Vater geweſen? Was aus beiden geworden? Und wie Du in dieſe Hütte verſchlagen worden biſt? Ich habe ein Recht dazu, Großmutter! Ich bin kein Kind mehr. Am vor⸗ letzten Oſterfeſte ſchon hat mich unſer Herr Paſtor con⸗ firmirt, und hat mich ſammt der ganzen Gemeinde zum Tiſche des Herrn gehn laſſen; jetzt bin ich ſiebzehn vorbei; und hat damals geſagt, ich wäre reifer und würdiger dazu, als alle Jungen im Dorfe, die um ein Jahr älter ſind. Folglich kannſt Du mit mir reden, wie mit einem Erwachſenen. Das weißt Du auch recht gut. Alſo könnteſt Du billig ein Ende machen und mich heute wiſſen laſſen, was ich über kurz oder lang doch erfahren muß...

Wie geſcheidt der Junge ſeine Reden ſetzt, mur⸗ melte die Mutter Gokſch, indem ſie ihm die reichen Locken von der Stirne ſchob. Sie betrachtete ihn lange, wie wenn ſie überlegte, ob ſie ſeinen Wunſch erfüllen dürfe? Dann aber ſprach ſie plötzlich:Nein, Anton, es geht nicht. Es kommen Dinge vor in dieſer traurigen Ge⸗