Erſtes Kapitel.
Die Linden ſtanden in voller Blüthe. Vor der Thüre ihrer kleinen Hütte ſaß auf einem zerbrochenen umge⸗ ſtürzten Korbe die alte Mutter Gokſch zwiſchen zwei Miſthaufen, vor ſich ein Gärtchen voll blühender Blumen. Mit ſichtlicher Vorliebe wendete ſie einmal ums anderemal ihren matten Blick dem Dünger zu; der Blumen achtete ſie wenig, weil ſie ihnen jenen Raum nicht gönnte, wo
nach ihrer Meinung Kartoffeln wachſen ſollten. Sieht
man doch gleich, murmelte ſie vor ſich hin, daß der Junge eines Vornehmen Kind iſt: Immer denkt er auf Putz und Schmuck, und die Großmutter mag zuſehen, wo ſie Fut⸗ ter hernimmt für ihn, wie für ſich ſelbſt. Und wo er nun wieder bleibt? Die Sonne wird bald zu Rüſte gehen, aber er treibt ſich noch im Walde herum. Und wenn er kommt, kann ich nicht einmal mit ihm zanken, ob ich ſchon möchte, weil er ſo große dunkelblaue Augen hat, wie ſeine verſtorbene Mutter. Sobald er mich mit dieſen Augen anſchaut, ſtirbt mir jedes ernſte Wort auf den Lippen. Er macht mit mir, was er will. Haben ihn doch auch alle Menſchen gern: Der Baron, der alte Bär, und die
Fräulen und der Paſtor und der Schulmeiſter. Ganz
Liebenau iſt vernarrt in den Anton. Ihm ſehen ſie Alles 1*


