19
Deßhalb hatte er heute, ehe ſie zur Mittagstafel hinabgingen, ſeinen Damen geſagt:„Morgen früh, aber ſehr früh, reiſen wir nach Prag.“ Und Madame Reichenborn, vor den Koffern keuchend, hatte gefragt: „Nach Prag?“ Und Caroline, die ſich gern von der dicken Mama bedienen ließ, hatte hinzugeſetzt:„Vä⸗ terchen wird in Prag Geſchäfte haben; wir werden wahrſcheinlich vald in Teplitz bleiben und ihn dort erwarten.“ Worauf Herr Reichenborn entſchieden erwidert hatte:„Ihr werdet mit mir durch Teplitz reiſen, mit mir nach Prag gehen, und mir Geſellſchaft leiſten; ſoll ich allein vor Langerweile umkommen? Erſt in der zweiten Hälfte des Juli iſt unſere Wohnung in Teplitz beſtellt, eher dürfen wir dort nicht eintreffen.“
Carolinen war die Ausſicht auf Prag eben auch nicht unangenehm; ſie freute ſich, dieſe altberühmte Stadt kennen zu lernen und ſie fand ſich bald in des Vaters Anordnung; während Mama, bei dem Gedanken, was dort Alles zu ſehen ſei und was ſie Alles werde erklimmen müſſen, noch heftiger keuchte, denn vorher. Doch gegen des Alten Willen und Geſetz, wenn er ſich erſt einmal ſo kathegoriſch ausgeſprochen, galt weiter kein Apelliren. Wie ſie zum Eſſen gingen,(wo ſich dann, wie wir wiſſen,


