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gelernt, jedem näheren Anſpruche auf mütterliche Zärtlichkeit zu entſagen; die unerläßlichen Küſſe und Umarmungen hatten ſie weder ſonderlich erwärmt, noch hatte ſie der Mutter Bild tiefer im Herzen aufgenommen. Sie dachte ihrer als einer ſtattlichen ſchönen Dame, die jetzt ſchon altern müſſe? Kam ſie ſich doch ſelbſt ſchon ſo alt vor mit ihrer Weltentſagung und inneren Abgeſchloſſenheit.
Die Stjernholm hinwiederum hatte nie geah⸗ net, daß aus der ſchweigſamen, zurückhaltenden Pen⸗ ſionärin eine Jungfrau werden könnte, wie ihr jetzt, an der Schwägerin Seite, entgegentrat.
Und Mathilde fand ihre Mutter ſo jung, ſo anmuthig, ſo bezaubernd, daß ſie ſich gar nicht an ihr ſattſehen konnte.
So ſtanden dieſe beiden edlen Geſtalten, in gegenſei⸗ tiges Anſchauen verſunken, bewundernd vor einander, und Frau Johanna freute ſich an ihrer unverſtellten Freude. Ganz frei von Beſorgniß, ob Baron Hanns den unerwarteten Einfall ſeiner Schweſter, der wirk⸗ lich einem Ueberfall gleichſah, gutheißen werde, fühlte ſich die Freifrau von Schmalkow aber nicht. Seiner Geſinnungen, ſeines verſöhnlichen Gemüthes gewiß, hegte ſie nicht den geringſten Zweifel, daß er, bei ruhiger Ueberlegung, ſeine Schweſter gern in 1857. XVI. Noblesse oblige. III. 2


