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rief Graf Eichengrün, und entzog ſich im dicken Regenguſſe ihren Blicken.
„Seine Erzellenz ſind unbegreiflich,“ ſeufzte ſie. Dann wünſchte ſie dem Grafen Heide gute Nacht.
„Mich wollen Sie nicht zum Thee haben?“
„In Gegenwart Eichengrün's, wäre die Ihrige mir ſehr angenehm geweſen. Allein kann ich Sie nicht empfangen.“
„Und doch waren Sie mit— ihm allein, als ich Sie— ſtörte?“
„Graf Eichengrün könnte bequem Ihr Vater ſein.
Einen alten Herrn darf ich wohl bei mir ſehen ohne Zeugen. Wenn Sie nach dreißig Jahren wieder anfragen wollen, wird mir's beſonderes Vergnügen gewähren.“
„Und ſo lange ſoll ich im Platzregen ſtehen? Sie ſind gar zu gnädig!“
„Gute Nacht, Graf Heide! Ich wünſche Ihnen gute Nacht und hüten Sie ſich, vom Regen in die Traufe zu kommen. Es wird in Stahlbrunn ſtark geſpielt, wie ich höre!“ b
Sie ſtieg die kleine Treppe hinan und gleich darauf überbrachte ihr Diener dem Grafen Heide einen Schirm.
1857. XV. Noblesse oblige. II. 21


