Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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die mögliche Urſache dieſes plötzlichen Wechſels in des Grafen Daſein?

Sehr erſtaunt erwiederte ſie:Weiß ich's? Solche Herren haben ihre Launen, und dürfen ſie haben!

Sie log, indem ſie ſo ſprach. Sie kannte den Sachverhalt genau. Ihr hatte der Graf zu verſte⸗ hen gegeben, daß er zu erfahren wünſche: ‚ob man ihn vermiſſen werde?

Damit hatte nun die ſeit Anbeginn unklare, von beiden Theilen durch Klauſeln, Reſervationen und Nebenabſichten oder Gedanken verwickelte Lie⸗ besgeſchichte den höchſten Grad ihrer Unnatur erreicht. Dort weiblicher Stolz, der ſich ‚wegzuwerfen beſorgt, und unbeſchränkte Macht behält, weil kein zärtliches Gefühl ihn übermannt, weil nur berechnende Erwä⸗ gung ihm zur Seite ſteht. Hier männliche Eitelkeit, die von jugendlichen Erinnerungen geſpornt, von ge⸗ rechten Zweifeln beunruhigt, bald antreibt, bald ver⸗ letzt zuruͤckweicht. Sie will nicht den Anſchein nied⸗ rigen Eigennutzes auf ſich ziehen! Er will noch immer um ſeiner ſelbſt willen geliebt werden. Kei⸗ nes will ſich ‚etwas vergeben!

Aus ſolchen Keimen erblüht ſelten Heil. Und wahrſcheinlich hätte die ſtahlbrunner Zuſammen⸗