Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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mächer durften nicht entweiht werden durch fremde Gäſte, durch Stiefeln, Sporen und Tabaksrauch.

Aber ſchreiben konnte ſie's immer, und ſich anmelden thun! Iſt ja eine Ewigkeit nicht in Eichen⸗ au geweſen. Dachten wir doch alle, ſie hätte uns für immer verlaſſen?

Ja, das dachten wir, Gottlieb, und ich auch. Ich hab' es auch gedacht. O der Menſch iſt ein kleingläubiges verzagtes Kreatur, außer wenn er übermüthig iſt. Und taugt Eines ſowenig wie das Andere. Nun bringe nur flugs den Beſen herbei und fege mir das Plätzchen vor der Bank ſo rein, daß man auch nicht ein Stäubchen auf den Quaderſteinen ſieht. Und aus dem warmen Hauſe hole den Jasmi- num gracile herüber, der ſeit vorgeſtern blüht; der kommt hinter die Bank zu ſtehen, ſo daß die Zweige gerade über die Lehne hangen. Geht er drauf, ſo geht er drauf. Für Tante Barbara ſterben, iſt ein ſchöner Tod, und hat er ihr einen Tag hindurch Freude gemacht, iſt ihm doch großes Glück widerfahren vor ſeinem Ende. ‚Wer ſo ſtirbt, der ſtirbt wohl! heißt's im Kirchenliede. Ich wollte, man könnte das eben auch von mir ſingen.

Gottlieb entfernte ſich, die ihm gewordenen Auf⸗ träge zu erfüllen. Bald darauf knarrten die Angeln

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