Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

geweſen. Die alte Wiesner hatte im ganzen Hofe für einen Drachen gegolten. Kinder hatten ſie nicht gehabt.Meine Kinder ſind Bäume und Blumen, pflegte er zu ſagen;in ihrer Mitte hab' ich gelebt, in ihrer Mitte will ich ſterben; was brauch' ich die Menſchen. Er hielt keinen Umgang mit den Be⸗ wohnern des Schloſſes, redete ſo wenig als möglich mit ihnen. Für ihn gab es eigentlich nur noch drei Perſönlichkeiten auf Erden: die Aebtiſſin, den Gra⸗ fen, ſeinen Herrn, und deſſen jüngeren Sohn Her⸗ mann, den wir ihn mit einem Blumenſtrauße begrü⸗ ßen ſahen. Den älteren Sohn, den Majoratserben, ignorirte er, nannte nie ſeinen Namen und vermied ihm zu begegnen, wenn Graf Theoder in Eichenau anweſend war, was jedoch äußerſt ſelten, in lan⸗ gen Zwiſchenräumen und ſtets nur auf wenige Tage geſchah. Aus ſeiner Abneigung gegen den künftigen Gebieter machte Wiesner kein Geheimniß, und wenn der Koch, der Einzige, mit welchem er gelegentlich ein Wort wechſelte, ihm ſein unkluges Benehmen vor⸗ warf, weil man doch nicht wiſſen könne, wie geſchwind vielleicht einmal einRegierungs⸗Wechſel einträte denn ſterblich wären wir alle und ſo weiter... entgegnete er freundlich:mein lieber Herr Küchen⸗ meiſter, bis Graf Theodor einen eigenen Schloßgärt⸗