Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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kann. Auch befindet ſich alles in der ſchönſten Ord⸗ nung. Der Herr Oberpräſident hielt neulich die längſt⸗ erwartete Viſitation und er ſowohl, als ſeine Bureau⸗ menſchen, deren er zwei unausſtehliche moderne Brillen⸗ träger bei ſich führte, konnten des Lobes kein Ende finden über meine männliche Leitung des Stiftes; über meine Energie, wie ſie's zu nennen beliebten. Ich ließ ſie reden und dachte mir: haltet lieber Eure Sachen ebenſo zuſammen; es iſt keine ſo große Kunſt, wenn Kraft und Wille ſich vereinen. In unſern Tagen, Bruder, wird zu viel mit der Feder organiſirt und befohlen, dagegen in Wahrheit zu wenig gethan. Der Geſchäftsgang iſt zu kom⸗ plizirt. Die Stöße von Papieren nur allein, die ſie bei uns vollklekſten! Ich bin ſeit dreißig Jahren Oberin des Stiftes Friedhain; aber in dieſer ganzen Zeit haben meine Kanzelliſten nicht ſoviel verbraucht!

Soviel ſich's vermeiden läßt, ſuch' ich auch dem Geſchreibe auszuweichen; aber bei größerem Beſitz geht es doch nicht ohne Federfuchſerei ab. Wie unſer ſeliger Vater ſtarb, fand ich einen Di⸗ rektor, einen Rentſchreiber, einen Forſtſchreiber und drei oder vier Kopiſten im hieſigen Kameralamte. Jetzt ſitzen drei Räthe und mehr wie ein Dutzend andere Beamtete darin und geht keiner müßig. Allerdings