„Darf ich es wagen zu frogen,“ erwiederte Luiſe erroͤthend,„warum Ew. Mazeſlat ſo hart uͤber mich urtheilt?“
„Weil ich vielfaͤltige Beweiſe eurer Grauſam⸗ keit, aber noch nicht einen eurer Guͤte bemerkt habe. Die Wirkung eurer Strenge auf den ungluͤcklichen jungen Mann,“ ſetzte ſie mit leiſer Stimme hinzu, „der uns auf eine ſo geheimnißvolle Art verlaſſen hat, war jedem nur zu ſichtbar.— Auch uͤber den armen Lindau habt ihr eure Geiſſel geſchwungen; jedoch habt ihr ihn dadurch von ſeinem Hauptfeh⸗
ler, der Eitelkeit, geheilt. Der Kampf mit Wolf⸗
ſtein wird laͤnger dauern; was mich betrifft, ent⸗
zuͤckt mich die Hoffnung, daß es uns gelingen wird,
ihn auf den Weg des Beſſern zu leiten. Er beſitzt einen kraͤftigen, erhabenen Geiſt, und es wuͤrde meine hoͤchſte Wonne ſeyn, ihn der Tugend zuge⸗ fuͤhrt zu ſehen, denn ich kann unmoͤglich alle die geſtrauchelt haben, verdammen,“
Die Freiherrin ſeufzte;— der mißfaͤllige
Blick ihrer Herrſcherin traf ſie tief. Wohl haͤtte ſie durch die Enthuͤllung ſeines vormaligen Betragens leicht dieſen Unwillen von ſich abwenden koͤnnen;


