Druckschrift 
Unter der Erde : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

71

Zoͤgern an die Arbeit zu gehen. Aber Friedel hielt ſie auf.

„Nur einen Augenblick noch,“ ſagte er.„Wir ha⸗ ben hier zwanzig Grubenlichter. Wenn wir ſie alle brennen ließen, würden wir nach zwölf Stunden ganz im Dunkeln ſitzen. Darum ſchlage ich vor, wir löſchen ſie bis auf drei aus, die uns gerade Licht genug ge⸗ ben, um bei der Arbeit ſehen zu können.“

Auch dieſer Vorſchlag wurde einſtimmig und bereit⸗ willigſt angenommen. Siebzehn Grubenlichter wurden ausgeloͤſcht und an einer ſicheren Stelle geborgen. Die drei übrigen ſtellte man ſo, daß ihr Licht vorzugsweiſe den Arbeitern zu ſtatten kam. Hierauf flehte der Ober⸗ ſteiger in einem kurzen Gebete Gottes Beiſtand an, und dann begann die Arbeit.

Der Oberſteiger hatte ſeine Taſchenuhr am Morgen mit in die Grube genommen, und konnte danach auf das Genaueſte die Zeit mittheilen. Sechs Stunden blieb er mit ſeiner Abtheilung in ununterbrochener Thä⸗ tigkeit. Dann wurde er von der zweiten Abtheilung abgelöſt, welche nun ihrerſeits das Werk der Befreiung mit friſchen Kräften in Angriff nahm.

Die außer Thätigkeit verſetzten Mannſchaften ſuch⸗ ten ſich Plätze zum Ausruhen, und ſetzten ſich, den Rücken gegen die Seitenwand der Grube gelehnt, auf den Boden nieder. Sie waren müde geworden, denn das Durchbrechen der Erdſchichten nach Oben hin ko⸗ ſtete ſchwere Anſtrengung und erforderte viele Vorſichts⸗ maßregeln. Der geſchickten Leitung des Oberſteigers gelang es jedoch jede Schwierigkeit zu überwältigen, und ſeine Leute vor allen Gefahren zu ſchützen.

Gleichwohl kam man trotz unausgeſetzter Arbeit