29
ein ſchöner rechtſchaffener Mann das, der Herr Ober⸗
ſteiger! Ein Naubmoͤrder iſt er, und wird in’s Zucht⸗ haus kommen!“
„Schweigt, Lorenz! Ihr ſeid ein ſchlechter Kerl, daß Ihr ſo von einem braven Manne reden könnt,“ fiel ihm der Oberſteiger Winter in's Wort.»Und wenn alle Umſtände gegen Friedel Zeugniß ablegten, ich würde trotz dem keinen Augenblick an ſeiner Unſchuld zweifeln. Aber Ihr, woher wißt Ihr denn, daß das Ränzel das des Handwerksburſchen iſt?«
„Nun, ich vermuthe es nur, weil es der Gerichts⸗ diener mit aus dem Hauſe gebracht hat,“ verſetzte der Steiger Lorenz, der von Anfang an ſeine Zweifel an der Ehrenhaftigkeit Friedels kund gegeben hatte.„Uebri⸗ gens will ich weiter nichts Böſes geſagt haben.
„Ihr habt ſchon mehr geſagt, als Ihr verantwor⸗ ten könnt,“ erwiederte der Oberſteiger Winter, und wendete ſich mit unverholener Verachtung von Lo⸗ renz ab. Jetzt kam, rechts und links von Gerichtsdienern be⸗ wacht, der Gefangene auf die Leute zugeſchritten. Er trug ſein Haupt ſtolz aufrecht, und ſchaute mit offenen, feſten Blicken um ſich her.
„Grüß euch Gott, liebe Freunde und Kameraden!« rief er den Verſammelten mit feſter, tönender Stim zu.»Man hat mich fälſchlich eines ſchweren Verbre⸗ chens angeklagt, und die Anklage iſt durch einen mir unerklärlichen Umſtand bekräftigt worden, indem man das Ränzel des beraubten Handwerksburſchen in einer Dachkammer auf meinem Hausboden verſteckt gefunden hat. Aber ich verſichere Euch, Ihr guten Leute, daß mein Gewiſſen ſo rein iſt, wie ein geſchliffener Kri⸗


