Druckschrift 
Der Strandfischer : nach einer wahren Begebenheit seinen jungen Freunden erzählt / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15⁵

ſich nur zu bald wieder als trügeriſch ausweiſen. Ein neues, zweites Licht tauchte nicht weit von dem zuerſt erſchienenen auf, und die gerunzelte Stirn des Kapitäns, ſeine feſt zuſammengekniffenen Lippen ſchienen eine neue Gefahr anzudeuten. Er rief Werner an ſeine Seite und deutete nach der Richtung hin, wo das neue Licht wie ein Stern in der Nacht erglänzte.

»Sehen Sie das?« fragte er.Für was halten Sie es?«

Für ein Licht, natürlich, antwortete Werner.Ich hoffe, wir werden jetzt um ſo ſicherer ſteuern!«

Im Gegentheil, erwiederte Kapitän Wildenrad mit dumpfer Stimme und ſchüttelte ſeine grauen Locken. Dieſe zweite Leuchtflamme durchkreuzt meine ganze Rechnung, und ich fürchte, daß ich, getäuſcht durch die Dunkelheit und den erſten Lichtſchimmer, in einen ge⸗ fährlichen Irrthum verfallen bin. Da hier zwei Flammen glänzen, können wir nicht, wie ich anfänglich glauben mußte, bei Dagoe ſei, und zu ſagen, wo wir ſind, geht über meinen Verſtand. Meine Kunſt iſt zu Ende, und der Himmel mag ſich Unſer erbarmen! Aber ſchweigen Sie! Die Mannſchaft darf nicht merken, wie muthlos ich bin, und jedenfalls will ich mein Beſtes thun, das alte Schiff ſo lange wie möglich über Waſſer zu halten!

Werner bekämpfte ſeinen Schrecken mit aller Kraft, die ihm zu Gebote ſtand. Mit wüthender Schnelligkeit trieb indeß der Sturm das ſtöhnende Fahrzeug über die Wogen hin, gerade auf das zweite, geheimnißvolle Licht zu, welches den Kapitän durch ſein unerwartetes Er⸗ ſcheinen ſo heftig erſchreckt hatte. Die Leuchtflamme wurde größer und größer, es ſchien, als ob ſie von