Druckschrift 
Die Sonne bringt es an den Tag : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

buſchigen Schlafkämmerchen hervor, um das aufflam⸗ mende Licht des Tages mit ihren hellſten Jubelklängen zu begrüßen. Der Pirol flötete; die Amſel lockte vom höchſten, ſchwankenden Zweige der Buche; Zeiſig, Stieg⸗ litz, Grasmücke, Fink und Hänfling ſangen und ſchlugen luſtig durch einander; der Kuckuk ſchrie in der Ferne ſeinen hellen, weit tönenden Ruf.

Als die Frau Sonne kam, fand ſie Alles ſchon wach; aber doppelt fröhlich erklangen die luſtigen Wald⸗

lieder von Zweig zu Zweig bei ihren glänzenden Strah⸗

len, die grünen Baumwipfel rauſchten lauter, Millionen Thauperlen blitzten auf den Gräſern und Blättern, und der glänzendſte Frühlingsmorgen hatte mit Einem Male prächtig ſich losgerungen aus den letzten düſtern Schat⸗ ten und Schleiern der Nacht.

Um dieſe Zeit war es, da kroch aus einer kleinen Waldhütte, wie ſie die Köhler und Holzhüter aus ſchlanken Birkenſtämmen für kurzen Gebrauch leicht und luftig zu errichten pflegen, ein Knabe heraus an's

Morgenlicht, ſchaute mit hellen, blauen Augen neugierig

umher, wie die Vögel, ſchuttelte ſeine blonden Locken, um die trockenen Fichtennadeln, die ihm zum Lager ge⸗ dient, daraus zu entfernen, kämmte ſie mit ſeinen fuͤnf Fingern und ſtrich ſie dann glatt mit der Hand, lief nach einem Waldquell, der nicht weit von der Hütte aus einer ſteinigen Vertiefung ſprudelte, wuſch mit dem friſchen Waſſer Geſicht und Hände; kehrte langſam nach der Hütte zuruck, lauſchte einen Augenblick am niedri⸗ gen Eingange, und ſetzte ſich endlich, als Alles ſtill blieb darin, auf einen alten Eichenſtumpf, der an der Hütte wie zu einer Sitzbank eingerichtet war. »Er ſchläft noch, murmelte er.Und ſo feſt, man

b