Druckschrift 
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

in der nächſten Minute ſtand ich an Bord. Der Ka⸗ pitän des Schiffes war ein braver Mann. Ich ent⸗ deckte ihm meine Lage und bat ihn um Schutz.

»Den ſollen Sie haben,« ſagte er,aber mein Schiff geht nicht nach England, ſondern nach Oſtindien, und meine Pflicht verbietet mir, an der engliſchen Küſte an⸗ zulegen.«

Das war ſchlimm; indeß hatte ich wenigſtens vor der Hand Freiheit und Leben gerettet, und der Kapi⸗ tän meinte, es ſei nicht unmöglich, daß wir irgend ein Schiff einholten, welches mich aufnehmen und nach England bringen könne. Auf dieſe Hoffnung verließ ich mich, und blieb. Was hätte ich anders thun ſol⸗ len? Der Kapitän räumte mir eine Kajüte ein, und das Schiff ſetzte ſeinen Kurs, die Elbe hinunter, fort. Wir erreichten Kurhaven, gewannen die offene See, fuhren an Helgoland vorüber, kamen glücklich in den Kanal, und Tag für Tag ſtand ich mit dem Fernrohr in der Hand im Vordertheile des Schiffes und ſpähte nach einem Fahrzeuge, welches mich an die engliſche Küſte führen könne. Seltſamer Weiſe fand ich keines. Unſer Schiff glitt raſch dahin, und wir überſegelten manches ſchwerfälligere Fahrzeug, aber nicht Eines von Allen war nach England beſtimmt. Es ſchien beinahe, als ob die Hand der Vorſehung hier im Spiele ſei. Wir gelangten in den atlantiſchen Ocean, und immer noch befand ich mich auf meinem Schiffe, und die eng⸗ liſche Küſte verſank weit hinter mir in blauem Nebel⸗ dunſt.

Gleichwohl gab ich noch nicht alle Hoffnung auf, und auch der Kapitän ſprach mir guten Muth ein. »Wir würden ja wohl noch einem Schiff begegnen,⸗