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kannt, als ich deine Geſchichte erfuhr. Ich meldete ſo⸗ fort meinem Vater den wahren Hergang der Sache, und bat ihn dringend, von dem Verrathe jenes Selbitz, der ſich allerdings an unſer Kabinet gewandt hatte, um die Dokumente zu verwerthen, keinen Nutzen zu ziehen. Ehe ich nicht Nachricht erhielt, wollte ich Euch nichts 85 mittheilen. Heute endlich kam ſie, und ganz ſo, wie ich ſie von der ſtrengen Gerechtigkeitsliebe meines Vaters erwartete. Man hatte an Selbitz geſchrieben und die Dokumente zur Durchſicht verlangt, um dar⸗ K aus zu erſehen, ob ſie wirklich von der Wichtigkeit wären, die jener Menſch ihnen beilegte. Er ſchickte die Abſchriften hier ein. Sie bewieſen vollſtändig, daß der Nachbarſtaat im rechtmäßigen Beſitz der ſtreitigen * Provinz iſt, und mein Vater gab deßhalb ſofort jeden Anſpruch an dieſelbe auf. Auf meine Bitte ſandte er mir die betreffenden Papiere hierher, und da ſind ſie nun, mein theurer Paul, in deinen Händen, für die ich ſie von Anfang an beſtimmte. Eile nach Hauſe, entlarve den Böſewicht und benimm dem Fürſten ſeinen beklagenswerthen Irrthum. Er wird einſehen, daß er nie einen treueren und beſſe eren Diener beſaß, als dei⸗ — nen Vater!“
Noch am ſelbigen Tage reiste Paul mit Extrapoſt ab. Der Fürſt überzeugte ſich ſofort von der Schuld⸗ loſigkeit des Präſidenten, von der Ehrloſigkeit des
Geheimeraths Selbitz. Der Präſident wurde zum 4 Jubel des Landes nicht nur in alle ſeine Ehren und Würden wieder eingeſetzt, ſondern empfing auch noch andere Beweiſe von des edlen nur getäuſchten Fürſten Gnade und Gerechtigkeit. Der Geheimerath buͤßte ſeine Verrätherei und Schlechtigkeit mit lebenslänglicher


