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Schmulche-Leben : eine Erzählung für meine jungen Freunde / von Franz Hoffmann
Entstehung
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Aehnliches kommt, und zwar öfter, als man ge⸗ wöhnlich glaubt, im Menſchenleben vor.

König Ludwig der Vierzehnte von Frankreich ſpazierte einſt mit ſeinem Kriegsminiſter Louvois, der zugleich die Oberaufſicht über die königlichen Gebäude führte, im Garten des Luſtſchloſſes Trianon umher. Ein Fenſter bes Schloſſes fiel dem Könige auf. Er behauptete, es ſei nicht ganz ſo groß, als die übrigen Fenſter. Lou⸗

ooie behauptete das Gegentheil. Es erfolgte ein Wort⸗

wechſel, in welchem ganz natürlich der Miniſter gegen

den König den Kürzeren ziehen mußte. Der ärgerliche

Louvois ſagte:»Der König fängt an, ſich um Alles

zu bekümmern, man muß ihm durch einen Krieg etwas

zu thun geben.« Und dieſes Nichts, dieſer geringfügige

Viertelszoll, um den das Fenſter zu Trianon zu groß

oder zu klein ſein mochte, gab die Veranlaſſung zu

einem gräulichen Kriege, in dem Hunderttauſende ihr

Leben durch das Schwert einbüßten, in dem ganze

Laänder verwüſtet und volkreiche Städte in trauervolle

Einöden verwandelt wurden. Die Rheinpfalz, Heidel⸗

K Mannheim, Worms, Speier und viele andere

idte mehr können erzählen von den Gräuelen des

Krieges im Jahre 1689, der durch das Fenſter zu Trianon herbeigeführt wurde.

So im Großen; wie nun erſt im Kleinen! Welche geringfügige Urſachen oft, und wie oft, welche nachdauernden, lange anhaltenden Wirkungen! Eine trockene Brodrinde entſchied einmal über das ganze Le⸗

ben zweier Knaben, eine einfache, trockene Brodrinde.

Du glaubſt es nicht, lieber Leſer. Nun denn, ſo höre.

Im Jahre 1789 gab es eine Hungersnoth in Paris. Das Brod war theuer, für die armen Leute kaum zu