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Aehnliches kommt, und zwar öfter, als man ge⸗ wöhnlich glaubt, im Menſchenleben vor.
König Ludwig der Vierzehnte von Frankreich ſpazierte einſt mit ſeinem Kriegsminiſter Louvois, der zugleich die Oberaufſicht über die königlichen Gebäude führte, im Garten des Luſtſchloſſes Trianon umher. Ein Fenſter bes Schloſſes fiel dem Könige auf. Er behauptete, es ſei nicht ganz ſo groß, als die übrigen Fenſter. Lou⸗
ooie behauptete das Gegentheil. Es erfolgte ein Wort⸗
wechſel, in welchem ganz natürlich der Miniſter gegen
den König den Kürzeren ziehen mußte. Der ärgerliche
Louvois ſagte:»Der König fängt an, ſich um Alles
zu bekümmern, man muß ihm durch einen Krieg etwas
zu thun geben.“« Und dieſes Nichts, dieſer geringfügige
—Viertelszoll, um den das Fenſter zu Trianon zu groß
oder zu klein ſein mochte, gab die Veranlaſſung zu
einem gräulichen Kriege, in dem Hunderttauſende ihr
Leben durch das Schwert einbüßten, in dem ganze
Laänder verwüſtet und volkreiche Städte in trauervolle
Einöden verwandelt wurden. Die Rheinpfalz, Heidel⸗
K Mannheim, Worms, Speier und viele andere
idte mehr können erzählen von den Gräuelen des
Krieges im Jahre 1689, der durch das Fenſter zu Trianon herbeigeführt wurde.
So im Großen;— wie nun erſt im Kleinen! Welche geringfügige Urſachen oft, und wie oft, welche nachdauernden, lange anhaltenden Wirkungen! Eine trockene Brodrinde entſchied einmal über das ganze Le⸗
ben zweier Knaben, eine einfache, trockene Brodrinde.
Du glaubſt es nicht, lieber Leſer. Nun denn, ſo höre.
Im Jahre 1789 gab es eine Hungersnoth in Paris. Das Brod war theuer, für die armen Leute kaum zu


